– was hat meine Wohnung eigentlich mit dem Kapitalismus zu tun?
Im Kapitalismus werden Häuser und Wohnungen nicht gebaut, damit Menschen darin leben, sondern weil sie verkauft oder vermietet werden können: Weil sie eine Ware sind. Das gleiche gilt übrigens auch für Äpfel, für Medikamente, für Kleidung – für fast alles eigentlich. Dass ich einen Apfel essen kann, wenn ich Hunger habe, oder ein Medikament nehme, falls ich krank bin oder eben in eine Wohnung einziehe, wenn ich keine habe, ist so etwas wie die Nebenwirkung des eigentlichen Zwecks, des Verkaufs einer Ware.
Jetzt könnte man meinen, dass das ja nicht so schlimm sei, wenn wenigstens die Nebenwirkung den eigentlichen Zwecks unsere Bedürfnisse befriedigt. Aber das passiert nur, wenn wir auch dafür bezahlen können. Ein Bedürfnis, das sich nicht in Geld ausdrückt, ist im Kapitalismus bedeutungslos. Deshalb gibt es trotz des immensen Reichtums auf der Welt noch immer Menschen die verhungern, während woanders massenweise Nahrung weggeworfen wird. Und deshalb gibt es auch Menschen ohne Dach über dem Kopf, während gleichzeitig Häuser leer stehen und langsam verrotten. In Spanien lässt sich das gerade besonders gut beobachten: zigtausende Menschen wurden seit Beginn der Krise zwangsgeräumt, also aus ihren Wohnungen geworfen, während im Land über eine Millionen Neubauwohnungen und Häuser leerstehen. Dass jetzt kein Mensch mehr in den Wohnungen lebt – könnte man meinen – nützt eigentlich niemandem. Aber so läuft es halt im real existierenden Kapitalismus. Die Logik, dass nur essen und wohnen darf, wer dafür zahlt, muss um jeden Preis aufrecht erhalten werden, denn sonst funktioniert der Kapitalismus nicht. Die Besitzenden der Wohnungen und Häuser können damit machen was sie wollen. Und alle anderen gucken in die Röhre.
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